Die Preisträger.innen 2023

Die Preisträger.innen des Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreises 2023 sind Benjamin Gottwald aus Deutschland und Marine Schneider aus Frankreich.

 

Am 13. Oktober 2023 wurde zum elften Mal der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis vergeben. Der Preis wurde durch die saarländische Staatssekretärin für Bildung und Kultur sowie den Generalkonsul der Republik Frankreich im Saarland in der diesjährigen Kategorie „Bilderbuch“ in Saarbrücken verliehen.

Die Staatskanzlei hat die Veranstaltung live gestreamt. Hier können Sie die Aufzeichnung sehen.

 

 

 

Programm der Preisverleihung  

 


Benjamin Gottwald

Spinne spielt Klavier. Geräusche zum Mitmachen

Carlsen | ab 3 Jahre

 

Benjamin Gottwald

Spinne spielt Klavier. Geräusche zum Mitmachen

Hier dürfen Kinder zischeln und knurren, hauchen, brummen und mehr: Wie hört es sich an, wenn Luft aus dem Fahrradschlauch entweicht, Bauklötze umfallen? Wie klingen Würfel, ein Fön, ein Wasserfall? Benjamin Gottwald fokussiert die jeweiligen Szenen so, dass er Menschen, Tiere, Landschaften und Gegenstände zum Klingen bringt und die Betrachter.innen zudem meist wissen, auf welches Geräusch es denn gerade ankommt – eine rechte Kunst. Aber gar nicht immer leicht mit Leben zu füllen: Wie hört sich denn ein sanft dahingleitender Papierflieger an? Auf Doppelseiten werden auch Geräusche gegenübergestellt, teils werden Erzählzusammenhänge hergestellt und Binnenstrukturen sichtbar. Letztlich sind Gottwalds klar strukturierte, interaktive Bilder ein Ratespaß sondersgleichen. Irgendeine Form von Text braucht dieses Buch daher nicht – es „spricht“ für sich.

Die Laudatio | Stefan Hauck

Das ist eine Bandbreite: Ein Pappbilderbuch mit neugierig machenden Kettenreaktionen, ein interaktives Geräuschbuch, die gelungene hochsensible Vermittlung übergriffigen Verhaltens, die Reise eines Spielzeugs, poetische Traumsequenzen und eine vielschichtige Graphic Novel – eine wunderbare Shortlist. Wir haben in der Jury gerungen und argumentiert, die Köpfe heiß und die Stimmen heiser geredet: Jeder dieser sechs Titel hätte es verdient, den Preis zu bekommen. Am Ende muss eine Entscheidung stehen:

Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis 2023 geht an „Spinne spielt Klavier“.

Ein Buch ganz ohne Text, das Kinder vorlesen können – wie soll das gehen? Und zwar Kinder, die noch gar nicht lesen gelernt haben! Benjamin Gottwald schafft das, und zwar ganz mühelos. Indem er auf die Assoziations- und Kombinationsgabe seiner Leserinnen vertraut. Wir sehen zum Beispiel einen Fön, der einen Windstrom erzeugt, und gleich daneben stemmt sich jemand mit dem Regenschirm gegen den tosenden Wind. Beides Mal also konzentrierte Luftströme – und doch klingt eben der Fön anders als ein Sturm. Haben Sie die jeweiligen Geräusche im Ohr?

Manche Geräusche hingegen klingen ähnlich, aber die Gegenstände sind ganz unterschiedlich: Ein Tischtennisball [klack-klack, klack-klack] und ein Pferd, das Schritt geht [klack-klack, klack-klack]. Bei anderen Bildern wiederum sehen die Gegenstände ähnlich aus – eine im Schleudergang vibrierende Waschmaschine und zwei riesengroße Lautsprecherboxen – aber sie klingen völlig anders. Oder zwei Lebewesen tun dasselbe, sie laufen los – nur hört sich das bei einer Marathonläuferin anders an als bei einer Schnecke. Dann inszeniert Gottwald Situationen: Ein Mensch, dessen Fuß in Berührung mit einem Igel kommen wird, dürfte einen anderen Laut hervorbringen, als wenn der Fuß von zwei Händen durchgekitzelt wird.

Sie sehen, der 1987 in Darmstadt geborene Künstler, der 2012 ein Illustrationsstudium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg begonnen und 2021 mit einem Master abgeschlossen hat, nutzt viele Muster und baut sie zu unzähligen Kombinationen aus, sodass den Leserinnen trotz der Fülle von 124 Bildern nie langweilig wird. Zumal sie ja auf jeder Seite interaktiv gefordert sind – denn ohne ihr Zutun bleiben die Seiten stumm. Dass das nie vorkommt, das ist der Tüftelei des Künstlers zu verdanken, der auch Editorials für die „Zeit“, „Zeit Leo“ und die „Süddeutsche Zeitung“ macht, der Comics gezeichnet, Dürrenmatts „Physiker“ und ein Forschungstagebuch zur klimafreundlichen Stadt illustriert hat, der malt, Animationen und Figuren aus Holz baut. Es ist seiner präzisen, konturbetonten, klaren Art der Zeichnungen verdanken, bei denen die Betrachterin sofort weiß, auf welches Geräusch es hier ankommt. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass Gottwald, der schon in seinen Schulheften die Seitenränder vollgezeichnet hat, die Zeichnungen analog beginnt. Zugleich, das muss man im selben Atemzug sagen, bekommen die Bildsequenzen durch weitere farbliche Elemente großen poetischen Freiraum.

Manchmal kann es knifflig werden: Wie klingen fallende Herbstblätter – oder die Kufen eines Schlittens im Schnee? Wie unterscheidet sich ein Schiffshorntuten vom Muhen einer Kuh? Probieren Sie es mal aus und Ihnen wird klar, warum dieses Buch so viel Spaß macht und warum es im Duett, Terzett usw. mit anderen Kindern und Erwachsenen doppelt so lustig ist.

Bei allem Vergnügen lernt man jedoch viel in Gottwalds Landschaften und Begegnungen: das Miteinander, das Erfassen von Situationen, das Sich-Hineinversetzen in eine Szene, das Begreifen von Vorher-Nachher-Situationen, von Ursache und Wirkung, von Kommunikation und ja, vielleicht auch die Erkenntnis, dass sich manche Töne gar nicht reproduzieren lassen und man dann doch auf Wörter und Sprache zurückgreifen muss.

Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis gibt dem Verlag, der das Buch in Frankreich veröffentlicht, einen Übersetzungszuschuss in Höhe von 2000 Euro. Dieses Buch wird sich, obwohl ohne Text, nicht eins zu eins übertragen lassen – das Tatütata und das Bienensummen klingt auf Französisch eben anders. Und das ist gleichzeitig das Schöne daran: Es wird noch einmal neu inszeniert, mit Leben gefüllt. In der Jury wünschen wir uns Workshops mit französischsprachigen und deutschsprachigen Kindern, die beim Krächzen der Raben und beim Treffer ins Fußballtor voneinander lernen, wie man ruft. Keine Angst, der französische Verlag kriegt die 2000 Euro trotzdem, das Buch ist aufwendig produziert.

Na, und das Ende müssen Sie einfach sehen! [das offene und mit Wucht zugeknallte Buch]

Die Jury 2023

Nicola BARDOLA | München

Gilles BUSCOT | Strasbourg

Géraldine ELSCHNER | Heidelberg

Isabelle ENDERLEIN | Berlin

Germaine GOETZINGER | Luxemburg

Alfred GULDEN | Saarlouis, München

Dr. Stefan HAUCK | Frankfurt

Charlotte LARAT | Strasbourg

Mathilde LÉVÊQUE | Paris

Alexandra RAK | Frankfurt

 

Mehr Informationen zur Jury  

 

Marine Schneider

Hekla et Laki

Albin Michel Jeunesse | ab 6 Jahre

 

Marine Schneider

Hekla et Laki

An einem windigen Tag taucht ein kleines Wesen auf, das wie ein Funke in das einsame Leben des Riesen Laki eindringt. Der winzige Hekla bringt den Alltag des alten Giganten, der am Ende seines Lebens angekommen ist, aus den Fugen. Hekla wird bald lernen müssen, allein zu leben... Irgendwo zwischen Märchen und Legende erzählt dieses großformatige Bilderbuch von der Freundschaft zwischen Alt und Jung und vom Weitergeben und Erlernen alten Wissens. Die prächtigen Farben der nordischen Landschaften und die Poesie des Textes harmonieren nahtlos mit dem poetischen und rhythmischen Text, während der Kontrast von glühendem Orange und sanften Blautönen die Lesenden fasziniert und in eine traumhafte und bezaubernde Atmosphäre eintauchen lässt. Ein Bilderbuch, das zu einer kontemplativen und beruhigenden Lektüre einlädt.

Panégyrique | Isabelle Enderlein

« Une fois admise la prise de conscience que même entre les êtres les plus proches il existe des distances infinies, un merveilleux vivre côte à côte peut se développer pour eux s’ils réussissent à aimer l’étendue qui les sépare, ce qui leur donne la possibilité de voir ensemble, devant un ciel immense ».

En relisant l’album lauréat français pour lequel j’étais tenue d’écrire le panégyrique, cette phrase du poète Rainer Maria Rilke s’est imposée avec la force de l’évidence. Car vivre merveilleusement côte à côte sous l’immensité du ciel, c’est précisément ce que nous donne à voir les deux héros de :

Hekla et Laki, de Marine Schneider, paru chez Albin Michel,

qui remportent cette année le prix du prix franco-allemand de littérature jeunesse.

S’imposer avec la force de l’évidence, c’est aussi ce que fait le petit enfant qui déboule, tel une météorite incandescente, tourbillonnant et virevoltant, dans la maison sage et rangée de Laki. Ce vieillard, présenté comme un bloc bleu anthracite de lave solidifiée, mène une fin de vie aussi calme que le cratère au fond duquel il vit. Cet être minuscule arrivé par jour de grand vent, s’agit-il d’une éruption, comme il y en a beaucoup en Islande ? Ou d’une naissance consécutive à une longue gestation ? La première image de l’album, qui évoque tout aussi bien un bébé dans l’utérus ou de la lave souterraine au cœur du volcan, brouille d’emblée les pistes. Et peu importe, au fond. Constatons simplement que c’est là la première des nombreuses confusions que ce livre opère entre le vivant et le minéral.

Toujours est-il que ces deux-là, l’enfant et le vieillard, la boule de braise et le roc, l’orange fluo et le bleu smalt, le volcan actif, à surveiller comme le lait sur le feu, et l’autre éteint depuis longtemps, se doivent de cohabiter, et cela ne va d’abord pas sans heurts. Le premier met la maison du second sens dessus dessous, escaladant les étagères et éparpillant les livres sur le sol, s’empiffrant de baies sauvages, attrapant les sauterelles et chassant les oiseaux… Devant ce débordement d’énergie, Laki tente ce vieil acte de désespoir humain, oh tellement humain, de reproduire l’acte créateur : il donne un nom à l’enfant. En nommant l’inconnu surgi inopinément dans son univers, Laki tente de faire rentrer le chaos du monde dans l’ordonnancement que permet le langage. Et c’est ainsi que la petite boule vive et audacieuse devient « Hekla », comme un éclat de braise, comme le volcan éponyme, et comme un lac à l’envers, ce même lac qui s’étend dans le cratère, tout près de la maison de Laki, ce lac de tous les dangers et dont Laki interdit l’accès au petit d’un ferme « Pas le lac, Hekla, pas le lac ».

Mais les saisons se succèdent, car la vie est un cycle. Et c’est ainsi qu’alternent le gel et le dégel, le bleu et l’orange, l’énergie muette, éternelle et vagabonde et la parole qui vieillit, ordonne et s’inquiète. Entre les deux, la mort. Qui vient naturellement, sans ménagement mais sans drame non plus, dépouillant simplement Laki de son apparat gris bleuté au passage. La mort qui vient comme se lover au creux de ce grand format, entre les deux parties qui en composent ce récit. La mort qui vient parce qu’Hekla a bravé l’interdit du lac et qu’il est prêt, désormais, à se débrouiller seul et à trouver son propre chemin. Car ce qui s’appelle mourir pour l’un signifie grandir pour l’autre.

Avec la mort de Laki, Hekla gagne les rives du langage et quitte le paradis originel pour entrer à son tour dans l’ordonnancement du monde. Le temps, désormais, a prise sur lui. Sous l’œil jamais morne de la nature brute et première, il trouve son île de vie qui l’amène par-delà les crètes du cratère, là où, à leur tour, l’attendent d’autres êtres prêts à entrer en contact avec lui. À lui, dès lors, l’infinité du monde et des territoires vierges.

Et qu’ils sont beaux, ces paysages telluriques islandais, tout en percussions chromatiques, en vibrations et ondoiements ! À leur image mouvante correspond le foisonnement des formats et des esthétiques étalés par cet album somptueux. Aux plans larges déversant de grandes étendues chromatiques succèdent des pages plus intimes remplies de vignettes fourmillant de mille et un détails et où le trait se fait alors patient, minutieux. À la faveur de ces fins coups de pinceaux, les personnages, qui se présentent au premier regard comme des incarnations minérales, deviennent alors terriblement humains. On admire ici l’imperceptible haussement de sourcils de mise en garde (« Pas le lac, Hekla, pas le lac ! »), là le relevé délicat de la commissure des lèvres, qui dévoile tout l’attendrissement de Laki pour le petit être qui repose dans le lit à ses côtés. Mi-humains mi-minéraux, Hekla et Laki naviguent ainsi entre immensité de la nature, tantôt belle et refuge, tantôt abyssale et pleine de dangers, et intimité du foyer, où la chaude douceur orangée du petit bonhomme éclaire et réchauffe les vieux jours de Laki.

Conte philosophico-fantastique, récit d’émancipation, légende matinée d’écologie : Hekla et Laki est tout cela à la fois, pour le plus grand bonheur bleu-rose orangé de nos yeux éblouis.

Die Jury 2023

Nicola BARDOLA | München

Gilles BUSCOT | Strasbourg

Géraldine ELSCHNER | Heidelberg

Isabelle ENDERLEIN | Berlin

Germaine GOETZINGER | Luxemburg

Alfred GULDEN | Saarlouis, München

Dr. Stefan HAUCK | Frankfurt

Charlotte LARAT | Strasbourg

Mathilde LÉVÊQUE | Paris

Alexandra RAK | Frankfurt

 

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