Die Preisträger_innen 2016

Die Preisträger_innen des Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreises 2016 sind Julia Balogh und Birgit Murke aus Deutschland und Olivier Laporte aus Frankreich.

Am 20. Mai 2016 wurde zum vierten Mal der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis in Saarbrücken verliehen. Der Preis wurde unter der Schirmherrschaft des Französischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland, S.E. Philippe Etienne und der Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer in der Kategorie „Sachbuch“ auf der 16. Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse verliehen und die Preisträger_innen der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

 

Sonderbeitrag: Der Jugendliteraturpreis am Arte Messestand auf der Frankfurter Buchmesse.

 

Programm der Preisverleihung  

 


Julia Balogh & Birgit Murke

Geteilte Ansichten. Jugendliche stellen Fragen ...

Ueberreuter Verlag | ab 13 Jahre

 

Julia Balogh 2016

Birgit Murke 2016

J Balogh Geteilte Ansichten

„In Deutschland prominente Autoren, Politiker, Schauspieler, Comiczeichner werden zur jüngsten Geschichte befragt – und zwar von der Zielgruppe der Leser. Reporter der LiteraturInitiative Berlin zwischen 14 und 18 Jahren setzen andere Schwerpunkte als Journalisten und so setzen sich aus den sehr lebendigen Gesprächen individuelle Lebensläufe aus Ost und West zusammen, wird Alltag auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze ebenso so erfahrbar wie die aufregenden Tage der letztlich friedlichen Revolution. Politik ist veränderbar, ist die Botschaft dieses lesefördenden Sachbuchs, das Lust macht, neugierig zu sein.“

Laudatio | Dr. Stefan Hauck

Politik ist veränderbar

Wie breit Sachwissen aufgestellt sein kann, haben Sie eben gesehen: Eine großartig choreographierte Einführung in Sexualität steht neben einer fundierten Sozialgeschichte des Tanzes, Luthers reformatorische Kernthesen neben Gesprächen über die deutsche Einheit, ein Parforceritt durch Kinderfragen zur Religion neben dem kreativen Umgang mit dem Digitalen – keine leichte Ausgangssituation für die Jury, die nach harten Pro- und Contra-Diskussionen eine Entscheidung getroffen hat. „Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte“, empfahl Kurt Tucholsky 1926 Zürcher Studenten, und bis heute hegen wir die Hoffnung, dass man aus der Geschichte lernen möge: Den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis 2016 erhält das Sachbuch „Geteilte Ansichten“ von 25 Berliner Jugendlichen.

In 17 Interviews befragen die Jugendlichen in Deutschland bekannte Politiker, Schauspieler, Bürgerrechtler, Comiczeichner, Musiker wie Peter Fox, Sportler und auch Schriftsteller wie Klaus Kordon, Claudia Rusch und Sten Nadolny, wie sie die Zeit vor und nach der Wende 1989 erlebt haben. Das Besondere ist: Hier fragt die Zielgruppe der jugendlichen Leser selbst, die im Gespräch andere Schwerpunkte setzen, als das Journalisten tun würden. Mit dem Ergebnis, dass die Befragten auch weitaus offener und persönlicher geantwortet haben. Nach und nach setzt sich beim Leser durch die zahlreichen Momentaufnahmen ein Gesamtbild mit einem thematisch großen Spektrum zusammen; wir erfahren – mit Schwerpunkt auf dem Alltagsleben in der DDR – von Schulunterricht und Kindheit, von Kulturpolitik und der Arbeit in Protestbewegungen, Ausbürgerungen und einem Häftlinge freikaufenden Rechtsanwalt. Geschichte wird hier greifbar, weil sie nicht kühl doziert, sondern als Erfahrung von Menschen vermittelt wird. Als roter Faden findet eine Auseinandersetzung mit Ideologien, staatlichen Systemen und immer wieder dem Begriff Freiheit statt, der ganz unterschiedlich gesehen werden kann. „Freiheit“, berichtet der Cartoonist Olaf Schwarzenbach, „war gleich Konsum, viele wollten das, was sie im Westfernsehen in der Werbung gesehen haben. Sie dachten, da drüben, das ist Weißer Riese und Kaffee Hag.“

Für die heutigen Jugendlichen, lange nach 1989 geboren, erscheint der Alltag in der DDR exotisch, teils so fremd, dass sie sich in ihren Fragen immer wieder vergewissern möchten. Jacob, Wanda und Leo etwa fragen die Schriftstellerin Katja Lange-Müller: „Uns wird in der Schule eingebläut, wie schlimm die DDR eigentlich war. Fanden Sie das auch?“, und Lange-Müller antwortet: „Es kommt darauf an. Wenn man sich nicht weiter bemerkbar gemacht hatte, wenn man nicht anfing, Fragen zu stellen […], dann ging es einem ganz gut. Sobald man versucht hatte, den eigenen Kopf durchzusetzen, mit irgendetwas nicht einverstanden zu sein, fingen die Probleme an.“ Und von diesen Problemen erfährt der Leser reichlich, aber die persönlichen Erfahrungen werden immer wieder ergänzt durch kleine Infokästen, Karten wie die Zonen der Alliierten mit Sektorengrenzen, Fotos, Schaubildern wie die Struktur des Schulsystems in der DDR.

Manchmal kommt es zu überraschenden Einsichten, etwa wenn wir auf einem Schwarz-Weiß-Foto ein Plakat mit der Aufschrift „Das schaffen wir!“ sehen oder die vorhin zitierte Katja Lange-Müller ihre Beobachtung mitteilt, warum Kohl und nicht Lafontaine 1990 die Bundestagswahl gewonnen habe: (Zitat) „Noch ein Saarländer, das wäre zu der Zeit nicht gegangen, weil Honecker ja auch ein Saarländer war. Einfach der Klang der Stimme von Lafontaine war für die Ostler so, dass sich denen die Nackenhaare aufstellten, dieses Saarländische.“ Dass so Emotionales das Rationale überlagert, dafür finden sich viele weitere Stellen in diesem Buch, das die Herausgeberinnen sorgfältig zusammengestellt haben und das ohne die LiteraturInitiative Berlin nicht denkbar wäre. An rund 30 Berliner Schulen bietet sie wöchentliche Literaturkurse an, in der 8 bis 10 Schüler einer Altersstufe Bücher Lesen, über sie sprechen und an Literatur herangeführt werden. Darüber hinaus gibt es alters- und bezirksübergreifende Projekte wie dieses, in der die Jugendlichen die Reporterrolle eingenommen haben. Dass auch sie kurz vorgestellt werden mit ihren jeweiligen Vorlieben und Interessen, erleichtert für die gleichaltrigen Leser den Einstieg.

Dass der französische Teil unserer Jury letztlich gleichermaßen für dieses Buch votierte, ist ein Zeichen dafür, dass sie sich gut Leser für dieses politische Buch in Frankreich vorstellen kann. Politik ist veränderbar, ist die Botschaft dieses lesefördernden Sachbuchs, das Lust macht, neugierig zu sein. Und da das Tucholsky wiederum viel besser ausdrücken kann als ich, hat er das Schlusswort: „Erst habe ich gemerkt, wie das Leben ist. Und dann habe ich verstanden, warum es so ist, und dann habe ich begriffen, warum es nicht anders sein kann. Und doch möchte ich, daß es anders wird.

Die Jury 2016

Nicola BARDOLA | München

Géraldine ELSCHNER | Heidelberg

Isabelle ENDERLEIN | Berlin

Germaine GOETZINGER | Luxemburg

Alfred GULDEN | Saarlouis, München

Dr. Stefan HAUCK | Frankfurt

Charlotte LARAT | Strasbourg

Mathilde LÉVÊQUE | Paris

Alexandra RAK | Frankfurt

 

Mehr Informationen zur Jury  

 

Olivier Laporte

Voyage en Caloptérie

Âne bâté | ab 10 Jahre

 

olivier laporte 2016

Laporte Calopterie

„Eine Leidenschaft für Libellen, eine andere für die Fotografie, und die Reise kann losgehen. Was für ein außergewöhnliches Abenteuer ist doch dieses Land der Caloptéryx, diesen grazilen Wesen, deren Flügel von einem so tiefen Blau sind, dass der Leser mit großem Vergnügen in ihr Universum eintaucht – ein Universum, das der Welt der Menschen übrigens viel näher ist, als es zunächst den Anschein hat. Die Erzählung springt von einer Welt zur anderen mit Leichtigkeit, Humor und viel Gefühl. Und der Leser schwelgt derweil in den herrlichen und beeindruckenden Fotografien. Die Zeit steht still…Dieses Buch gibt sicherlich einen Einblick in die Artenvielfalt – vermischt dabei aber auf faszinierende Art und Weise Wissenschaft und Poesie.“

Laudatio | Charlotte Larat

Le Jury a joyeusement accepté l’invitation de partir en voyage, même si le pays semble loin. À la belle saison, comme aujourd’hui par hazard, ce pays des merveilles se trouve tout près, à savoir au bord de rivières et de ruisseaux qui traversent la campagne et qui passent par des forêts, notamment françaises ou allemandes – comme la Sarre ou la Nied - donc idéal pour un prix franco-allemand.

Avez-vous déjà entendu parler du pays nommé La Caloptérie? Non?
Alors ça tombe très bien, parce que le documentaire que le jury français a décidé de couronner aujourd’hui avec le Prix Franco-Allemand pour la Littérature de Jeunesse 2016 porte le titre

VOYAGE EN CALOPTÉRIE d’Olivier Laporte paru chez Âne bâté Éditions à Dijon

et c’est lui-même qui a fait toutes ces photos envoutantes d’un univers qu’on saisit d’abord seulement avec un objectif macro, car – comme l’écrit l’auteur

... c’est tout petit, la Caloptérie.
Une fois là-bas, on ne bougera plus beaucoup.
Le mieux, c’est carrément de s’asseoir, avec le vent et le silence.

De toute façon, on ne peut pas bouger en Caloptérie.
On a toujours une branche dans l’oeil, une ortie sous la chemise,
un caillou dans la chaussure, un pied dans l’eau, ou l’autre dans la boue.
On ne peut pas se retourner : on est trop grand, inadapté.
Alors il faut s’installer comme on peut, et profiter de la lumière.

OLIVIER LAPORTE, musicien, chanteur, voyageur et photographe depuis l’âge de douze ans, a également écrit un texte passionnant – ce qui est - vous en conviendrez - fort souhaitable pour un bon livre documentaire: Il parle à travers la voix d’un certain OLIVE, le narrateur, une personne qui visiblement aime faire partager ses observations. Ce personnage est tout sauf omniscient – donc à l’opposé de ce que l’on trouve si souvent dans un ouvrage documentaire.

OLIVE se présente de la manière suivante:
Il y a du bon et du moins bon, mais dans un sens,
moi aussi j’ai de la particule :
je suis une particule de la société civile,
et même si je ne comprends pas bien tout ce que je lis dans les magazines,
j’ai des papiers qui attestent de ce statut,
avec photographie de face et nationalité à l’appui.
Il est même défendu de sourire sur la photographie,
car c’est biométrique …

Les connaisseurs de littérature française auront certainement reconnu à travers ces lignes l’influence d’Émile Ajar et de son style si particulier. Il faut dire que l’auteur Olivier Laporte comme il le reconnait lui-même dans sa postface est un grand amateur de Romain Gary alias Émile Ajar.

En tout cas, même si la lecture et la compréhension ne sont vraiment pas ses points forts, OLIVE possède ce don merveilleux de nous ouvrir les portes d’un univers d’une grande beauté.
La voix d’OLIVE – qui donne le ton du récit - est simple comme une très agréable promenade dans la nature. De temps en temps, il ajoute une petite plaisanterie charmante et atteint son but facilement. Ce but qui est de nous ouvrir les yeux, nous rendre immobile et de nous laisser succomber à la fascination du jamais vu, être emballés par ces photos époustouflantes, bref: éveiller la curiosité du lecteur et créer une ambiance de vrai partage et de passion, ce qui donne toute de suite envie de partir pour une ballade au bord d’un ruisseau – une fois qu’on a appris quel univers se cache derrière les points et lignes scintillants qui sont en fait des libellules. Des fois elles peuvent rester dans l’air de longs instants - juste comme ça – immobiles, comme un symbole vivant de légèreté lumineuse. On devient très calme face à cette merveille. Fini l’accélération – le contraire s’impose ...
Un détail pour les photographes amateurs, comme nous le rappelle OLIVE:

Les libellules s’envolent tout le temps.
Quand on s’approche pour les photographier, bien sûr, mais même
quand on a le dos tourné, elles s’envolent. C’est leur façon d’être.

Alors il faut bien les photographier en vol, sinon on reste un peu ignorant. La difficulté, c’est que pour ne pas avoir les ailes floues, qui vont très vite, il faut régler l’appareil photo sur une vitesse équivalente, au moins au 1 250ème de seconde.
Je ne sais pas si vous avez déjà essayé de découper une seconde en 1 250, mais c’est très très bref, comme instant.

OLIVE raconte et explique plein de choses surprenantes concernant la famille des libellules, également appellée Caloptéryx:

Chez eux, c’est plutôt étymologique :
calo = beau et ptera = aile.
Caloptéryx signifie donc « qui a de belles ailes »,
car ce sont les Grecs anciens qui ont inventé l’étymologie.

À la belle saison, dès que je peux, je vais me balader en Caloptérie et je fais des photos de ces Demoiselles qui ont des ailes somptueuses, comme on l’a vu grâce à l’étymologie.

En admirant la beauté de cette espèce, nous apprenons par exemple que les libellules possèdent des poches d’air sous leur carapace qui se chauffent au soleil.
(...) qui les soulèvent telles des montgolfières et les voilà comme qui dirait plus légères que l’air, déjà qu’elles ne sont pas bien lourdes ...

L’émergence, c’est le terme qui correspond au moment de transformation des larves en libellules. C’est que leur vie sexuelle est également poétique, je cite:
Une femelle Caloptéryx ne se laissera pas séduire par le premier lourdaud venu, et le prétendant doit exécuter une danse nuptiale exigeante et très virtuose. Le mâle - c’est le bleu, vous l’aurez compris - tourne longtemps autour de Madame. Il fait des tas de figures, des acrobaties, il en fait trois actes comme on dit, car c’est un grand séducteur.
Si l’affaire est conclue, c’est l’amour, et ça fait un coeur, (bien visible sur la photo qui correspond), exactement comme nous.
Sauf que nous c’est symbolique.

Même s’il est évident au fur et à mesure qu’on avance dans la lecture, que la vie du narrateur ne réserve pas que des bonnes surprises, celui-ci est un passionné qui est difficilement irritable. Même malade, il songe – comme dans le passage suivant:

Ça a un peu calmé la fièvre, mais les rêves, c’est toujours n’importe quoi, et me voilà dans un drôle d’état toute la journée.
Comme Tchouang-Tseu, un vénérable Chinois mais très très ancien qui se prenait pour un papillon, je me demande si c’est bien moi qui ai rêvé que je suis un Caloptéryx, ou si je suis un Caloptéryx
qui a juste attrapé un coup de froid.

Mais ce n’est pas grave : la belle saison reviendra.
Les oeufs vont éclore, les larves vont émerger,
les Caloptéryx vont revenir, et la boucle sera bouclée.
…..

Le jury a été très touché par tout cela, bien plus que par la seule découverte d’une espèce. Nous avons ressenti des moments de surprise, de respect, de la richesse, de bonheur et de joie et bien sûr également éprouvé beaucoup de reconnaissance pour un photographe et un auteur qui est resté si longtemps immobile, une branche dans l’oeil, une ortie sous la chemise, un caillou dans la chaussure et les pieds dans la boue !

Die Jury 2016

Nicola BARDOLA | München

Géraldine ELSCHNER | Heidelberg

Isabelle ENDERLEIN | Berlin

Germaine GOETZINGER | Luxemburg

Alfred GULDEN | Saarlouis, München

Dr. Stefan HAUCK | Frankfurt

Charlotte LARAT | Strasbourg

Mathilde LÉVÊQUE | Paris

Alexandra RAK | Frankfurt

 

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