Lauréates 2018

Benjamin Tienti côté allemand ainsi qu'Oren Ginzburg et Estelle Billon-Spagnol côté français sont les lauréat·e·s du Prix franco-allemand pour la littérature de jeunesse 2018.

Le 6e Prix franco-allemand pour la littérature de jeunesse a été décerné le 18 mai 2018 à Sarrebruck. Il a été remis par M. Tobias Hans, Ministre-Président du Land de Sarre, et Mme Catherine Robinet, Consule générale de France en Sarre.

 

 

Programme de la remise de prix  

 


Benjamin Tienti

Salon Salami | Einer ist immer besonders

Dressler Verlag | à partir de 10 ans

 

Benjamin Tienti

Salon Salami

Des soucis dans le joyeux microcosme

Si l’histoire commence par l’attaque d’une banque, c’est bien dans le salon de coiffure paternel que se situe principalement l’action. Hani, la jeune narratrice, doit organiser le quotidien avec son petit frère depuis le départ soudain de leur mère. Elle raconte, au milieu d’une histoire menée tambour battant, comment elle tente d’égayer la vie au sein de sa famille turque. En moins de deux, le lecteur se retrouve dans un monde d’une diversité variée mais subtile, dans lequel même les personnages secondaires – les camarades de classe ou la responsable du service de l’aide à la jeunesse – sont soigneusement développés. Ce soin est encore renforcé par le grand respect avec lequel l’auteur fait se rencontrer les différents protagonistes d’une histoire qui traite de manière simple et sans clichés un sujet difficile.

Panégyrique | Dr. Stefan Hauck

Wenn das Leben implodiert: Benjamin Tientis „Salon Salami“

"Ich habe den Eindruck, dass die französische Gesellschaft der deutschen eine Erfahrung voraus hat, und dass wir, wenn wir französische Literatur lesen, vielleicht etwas über unsere Zukunft erfahren können", sagte der Berliner Verleger Andreas Rötzer im vergangenen Monat im Deutschlandfunk. Viele französische Autoren, so ist zu beobachten, schreiben verstärkt über soziale und politische Themen, und Rötzer nennt mit Mathieu Riboulet und Éric Vuillard einen Schriftstellertypus, den er als „eine Art Rebellen oder literarische Aktivisten“ bezeichnet, „mit einer Agenda, die sie durchsetzen wollen und die sie weit über das Genre des Romans hinausführt“.

Dieses Beobachten und Voneinander-Lernen ist im jugendliterarischen Bereich Aufgabe des Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreises, und Sie haben eben an der Shortlist die unterschiedlichen Themen gesehen. Aus Sicht der deutschsprachigen Jury ist es ein starker Kinderbuchjahrgang gewesen, mit einer Bandbreite vom hochliterarischen Roman über Bienen und Gesellschaft über die zukunftsweisende Erfindung, Gegenstände zu zippen und entzippen, bis zur gegenläufigen Erzählweise von Bild und Text in einer ergreifenden Beschreibung von Migration. Es geht in den Büchern viel um Schwierigkeiten und wie sich die Figuren nicht damit abfinden. „Erst dachte ich, man müsste einfach herausfinden, wo unsere Probleme herkommen. Und dann lösen sie sich auch schon auf“, sagt eine Figur in einem der Romane. „Aber jetzt denke ich, warum sollte das so sein? Was interessiert das Problem, wo es herkommt? Viel wichtiger ist doch, wie wir jetzt weitermachen.“

Das Zitat stammt aus dem Roman, der in diesem Jahr den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis erhält: Benjamin Tientis „Salon Salami“. Schön, dass hier in der Staatskanzlei auch die Zielgruppe der Bücher sitzt. Liebe Schüler und Schülerinnen, dann kann ich Euch auch gleich fragen: Wann würdet Ihr eine Bank überfallen? Aus Verzweiflung? In krassen Geldnöten? Die 12-jährige Hani Salmani tut es in der ersten Szene in Tientis Roman aus einem verblüffend anderen Grund: Sie will ins Gefängnis. Sie trägt die Verantwortung für sich, für den fünfjährigen Bruder Momo, für den Haushalt, fürs Familienleben – aber wer kann mit 12 schon so viel Verantwortung übernehmen, dass es reichen würde, eine Mama zu ersetzen?

Ihr ebenfalls überforderter Vater schneidet den ganzen Tag Haare: „Don't worry, be happy" trällert ein Plastikfisch beim Betreten des Frisörsalons Salmani, aber heile Welt ist hier nicht. Stattdessen ein turbulentes, actionreiches Durcheinander im Haus und in der Straße, in der jeder jeden kennt und Geheimnisse nur schlecht verborgen bleiben. Die Nachbarn sind Stammkunden und fühlen sich hier zuhause, sie bringen ihre Geschichten mit, Herr Basim vom Imbiss spendiert Essen und hält so die Normalität aufrecht. Tienti zeigt Ausschnitte des multikulturellen Miteinanders, und auch wenn inzwischen ungefähr ein Drittel aller Kinder in Deutschland einen Migrationshinter- oder -vordergrund haben, kommen sie in Kinderbüchern eher selten vor.

Die Ich-Erzählerin Hani aber ist eine von ihnen, eine Figur mit Ecken und Kanten, die herumzickt, die deutlich macht, was ihr alles nicht passt, die lieber handeln würde als immer nur zu reagieren. Als Leser spüren wir, wie es in ihr brodelt, wie die Wut keinen Platz mehr hat und raus muss, wie sie mehr und mehr erkennt: Die Erwachsenen wissen auch nicht weiter. Denn die haben ihr die Suppe eingebrockt, Onkel Ibo etwa, der Bruder ihres Vaters, in dessen Lidl-Tüten Röhrchen mit Haschklümpchen stecken, wie sie herausfindet. Als ihre Mutter diese einträglichen Nebeneinnahmen, die die Mietschulden decken, in der Toilette hinunterspült und eine Verstopfung entsteht, kommt die Sache ans Tageslicht und zur Anzeige. Nur Hani erfährt nicht, dass ihre Mutter die Schuld auf sich nimmt und ins Gefängnis geht – ein längerer Arbeitseinsatz, schreibt ihr die Mutter, aber Hani ist nicht blöd: Wie lange will sie denn mit den Alten vom Seniorenheim wegbleiben?

Deswegen entscheidet Hani, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, das äußere wie innere Chaos in den Griff zu kriegen, früher als ihr lieb ist erwachsen zu werden. Aus ihrem stummen wird ein ausformulierter Protest, trotzig-kess überspielt sie ihr Tasten und Suchen, das Benjamin Tienti als pointierten Schlagabtausch formuliert. Der 1981 in Esslingen geborene Autor, der als Erzieher in Wohngruppen und in Schulen in Neukölln arbeitet, verwendet eine bildhafte Sprache mit Einschlägen in jugendliche Umgangssprache („Und Dirk und ich so im Chor: ‚Dönerfriends forever!‘“), er erzählt rasant, mit lakonischem Witz und dicht am Leben. Er schafft Situationskomik – vielleicht ist das Schwere nur so zu ertragen, wenn das Leben implodiert. Wahrscheinlicher aber ist, dass Tienti das Leben mit seinen Höhe- und Tiefpunkten abbildet, die Figuren, die mit ihren Vorurteilen kämpfen und ebenso herumbrüllen können wie sie hilfsbereit sind. Tienti zeichnet in seinem Kinderbuchdebüt nicht schwarz-weiß, selbst Onkel Ibo kommt nicht die Rolle des Bösewichts schlechthin zu, auch er hat helle Seiten. Bei all dem pädagogisiert der Autor, der bereits Kurzgeschichten und 2009 seinen Roman „Raubvogel“ bei Luftschacht veröffentlicht hat, nicht, sondern versucht einen mehr intuitiven Balanceakt: Wann drängt man den anderen in die Ecke, um etwas zu erfahren? Vertrauen gegen Vertrauen – so erzählt Hani der Sozialarbeiterin Mira vom Jugendamt aus freien Stücken ihre Vorgeschichte, als sie soweit ist, und Mira stellt sich Hanis Fragen über ihre Beziehungswelt. Und es ist eine Gratwanderung, wenn man andere nicht verraten will.

Benjamin Tienti begegnet seinen Figuren mit großem Respekt – und die sich untereinander meistens auch. Probleme werden hier nicht kulturalisiert, und wir tun als Leser gut daran, uns nicht zu erheben mit „Ja, die Menschen in Problemvierteln … die sind nun mal so“. Nein, die sind nicht mal so. Die haben bei Tienti dieselben Probleme wie andere auch. Da erobert sich die Unsicherheit immer mehr Raum und die Ohnmacht steht hilflos daneben, da wird genervt und gezickt, geschrien und gelacht, geschmust und gestaunt. Es ist Familie. Es sind Nachbarn. Und die sind so.

(Die saarländische Landtagsabgeordnete Jutta Schmitt-Lang hat übrigens in Blieskastel Fünftklässlern eine Stunde aus „Salon Salami“ vorgelesen)

Le jury 2018

Nicola BARDOLA | München

Gilles BUSCOT | Strasbourg

Géraldine ELSCHNER | Heidelberg

Isabelle ENDERLEIN | Berlin

Germaine GOETZINGER | Luxemburg

Alfred GULDEN | Saarlouis, München

Dr. Stefan HAUCK | Frankfurt

Charlotte LARAT | Strasbourg

Mathilde LÉVÊQUE | Paris

Alexandra RAK | Frankfurt

 

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Oren Ginzburg & Estelle Billon-Spagnol

Le destin (presque) timbré d’Etienne Durillon

Grasset-Jeunesse | à partir de 7 ans

 

Oren Ginzburg

Oren Ginzburg

Quand l’aventure surgit au coin de la rue

« Etienne Durillon menait une vie solitaire, triste et monotone. » Mais que signifie cet étrange prospectus de l’agence « Transformation de vie » ? Une vulgaire escroquerie ou un véritable espoir de changement ? Le clochard assis sur le trottoir ne serait-il pas un Agent Transformateur déguisé travaillant incognito ? Très vite, en l’espace d’une matinée, tout bascule dans la vie d’Etienne Durillon. Les péripéties et les rebondissements se succèdent sur un rythme trépidant et effréné dans ce roman illustré où l’on croise des vieilles dames tatouées en blouson de cuir qui traversent la ville à moto, un sympathique géant chauve patron de bar, un chien cambrioleur et son inquiétant maître aux allures de croque-mort.

Au pas de course et au gré de quiproquos réjouissants, le roman montre avec humour et tendresse comment un jeune homme exilé dans sa timidité et sa solitude fait soudain l’expérience de l’amitié, du courage, de la solidarité et du bonheur.

Panégyrique | Charlotte Larat

Le bonheur, c’est les autres - comme ne l’a pas dit Sartre.

Voilà ce que, chacun à sa manière, les six titres français sélectionnés cette année s’emploient à nous dire, prenant ainsi le contrepied résolu du philosophe. L’un de ces romans l’a fait avec une force qui a particulièrement touché le jury se réunissant à huis-clos. On y découvre comment un jeune homme, qui a érigé la solitude et la routine en art de vivre, voit son existence basculer en cinq petites heures, par le truchement d’un imperceptible changement d’attitude - imperceptible avant tout de lui-même. Parce qu’il constitue une formidable ode à la joie de vivre, le jury récompense du prix franco-allemand pour la littérature de jeunesse 2018 :

Le destin (presque) timbré d’Etienne Durillon, d’Oren Ginzburg.

Voilà un petit roman très dense, magnifiquement illustré, qui s’offre le luxe de philosopher sur le temps et les ressorts du bonheur.

Dans le quotidien d’Etienne Durillon, tout est comptable et mécanique : le temps, qui se mesure en horaires de bus et d’émissions de télé ; l’alimentation qui se décline autour de l’œuf, aliment paradigmatique de l’exactitude culinaire ; et même les régulières crises de migraine, rappel du corps que tout ne tourne pas totalement rond dans ce monde sans histoires. La somme de la vie d’Etienne, c’est cette répétition d’un même dépourvu de tout imprévu et de toute complication. Si grain de poussière il y a dans cette monotonie bien huilée, c’est dans l’absence de l’Autre, qui prend ici le doux visage de Vanessa, l’employée du service marketing. Etienne n’a jamais osé lui adresser la parole.

Imaginez maintenant que vous vous trouviez dans la situation d’Etienne et que vous receviez un prospectus publicitaire de la SARL « Transformation de vie », laquelle ne vous offre pas moins que le bonheur pour la modique somme de 3.999 euros. « N’importe quoi ! » vous diriez-vous probablement. Sauf que dans le fond, notre héros est mûr pour « porter ailleurs la triste gueule de l’ennui » – et le voilà qui signe le chèque et poste la lettre.

Or, aussitôt après avoir cédé au mirage de cette petite annonce véreuse, il se trouve projeté dans une rocambolesque aventure qu’il imagine entièrement manigancée. Entre le moment où il envoie sa lettre (et son chèque de 3.999 euros) et le moment où la lettre lui revient faute de timbre, la mécanique mortifère du temps est proprement dynamitée. L’Iliade, recherche du temps perdu selon Raymond Queneau, devient Odyssée.

Une odyssée peuplée de personnages burlesques que le jeune homme tient mordicus pour les fameux Agents Transformateurs qu’on lui a promis. Trois vieilles dames tatouées à moto, un géant patron de bar chauve et sentimental, un chien cambrioleur, un dangereux croque-mort : autant de rencontres/effets placebos qui guérissent peu à peu la phobie sociale de ce grand timide, lequel, au cours de ses pérégrinations, découvre (je cite) : « un monde comme à la télé, (…) où on ose offrir un bijou à la femme qu’on aime ».

Un monde auquel le trait fin d’Estelle Billon-Spagnol donne corps, épousant de bout en bout l’énergie facétieuse du texte. Des illustrations « kongenial » : nous n’avons pas l’équivalent en français.

Un monde bien réel, qu’il ne vit plus par procuration à travers les « mortelles passions » télévisuelles, mais qu’il sent bien plus dans sa chair : « Il avait vu une fois passer une voiture décapotable pleine de gens qui écoutaient une musique assourdissante en riant, mais maintenant, c’était lui dans la voiture ! C’était lui qui roulait, qui riait, qui chantait ! Qui vivait ! Cela valait largement 3 999 euros ! »

Pourtant, dans cet univers farfelu gouverné par l’invraisemblable, celui qui semble tout droit sorti de l’espace, c’est plutôt Etienne, celui qui communique à grands renforts de « Ben… » et qui, abordant pour la première fois sa dulcinée, ne s’encombre pas vraiment de circonvolutions verbales (je cite) : « Vanessa… dit-il comme s’il allait se lancer dans un long discours, mais il ajouta seulement : j’ai une bague ».

La course-poursuite finale entre Etienne et le croque-mort n’est pas envisagée ici pour son issue ou pour un quelconque effet de suspense : elle participe bien plus, en la matérialisant, de la formidable accélération qu’a connue la vie d’Etienne au cours de ces cinq dernières heures – et montre que cette accélération, en fin de compte, il ne la doit qu’à lui-même. En 2006, l’auteur Oren Ginzburg avait écrit un petit cartoon intitulé « There you go ». Il y dénonçait avec un humour féroce les tentatives d’imposer un prétendu « développement durable » aux peuples indigènes et tribaux. Avec la petite fable Le destin (presque) timbré d’Etienne Durillon, Oren Ginzburg décline à un autre niveau cette morale de la liberté. Il nous dit : N’attendons pas que d’improbables agents transformateurs viennent bousculer nos habitudes, nos certitudes, notre malheureuse routine – quand bien même, fort heureusement, ces dernières ne sont pas toutes relatives à la consommation d’œufs à la coque. Oui : les ressources sont en nous. Oui : nous sommes maîtres de notre destin, individuel et collectif. Oui, dès lors, nous sommes co-responsables de la vie de la cité.

Le jury 2018

Nicola BARDOLA | München

Gilles BUSCOT | Strasbourg

Géraldine ELSCHNER | Heidelberg

Isabelle ENDERLEIN | Berlin

Germaine GOETZINGER | Luxemburg

Alfred GULDEN | Saarlouis, München

Dr. Stefan HAUCK | Frankfurt

Charlotte LARAT | Strasbourg

Mathilde LÉVÊQUE | Paris

Alexandra RAK | Frankfurt

 

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