Lauréates 2017

Les lauréates du Prix franco-allemand pour la littérature de jeunesse 2017 sont Angela Mohr côté allemand et Muriel Zürcher côté français.

Le Prix a été décerné pour la cinquième fois le 19 mai 2017 à Sarrebruck. Il a été remis – cette année dans la catégorie roman pour adolescents – à la chancellerie de la Sarre sous le patronage de l’ambassadeur de France à Berlin S.E. Philippe Etienne et de la Ministre-présidente du Land de Sarre Annegret Kramp-Karrenbauer.

 

 

Programme de la remise de prix  

 


Angela Mohr

Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen

Arena Verlag | à partir de 14 ans

 

Angela Mohr

Angela Mohr zweiTage

« Le roman d’Angela Mohr alterne entre des scènes d’action spectaculaires et des passages d’une grande délicatesse pour dévoiler les chemins de vie de deux adolescents : Au cours d’un voyage en train, Nik, hyperactif et inlassable bavard, rencontre la placide et silencieuse Aino à qui il entreprend de montrer tout ce qu’elle rate en demeurant murée dans son mutisme. Ce sont alors deux visions du monde mais aussi deux styles d’expression et de communication diamétralement opposés qui se font face pour notre plus grand plaisir. Une imagination et une poésie folles émanent de cette passionnante histoire de crises, de questionnements, de craintes et de courage qui sait nous surprendre par ses retournements de situation. »

Laudatio | Dr. Stefan Hauck

In Robert Musils »Mann ohne Eigenschaften« gibt es den Satz »Der modernen Seele, die Ozeane und Kontinente spielend überbrückt, ist nichts so unmöglich, wie die Verbindung zu den Seelen zu finden, die um die nächste Ecke wohnen.« Er könnte leitmotivisch über den sechs von der deutschen Jury nominierten Romanen stehen, die sehr unterschiedlich sind und doch allesamt Szenen deutscher Wirklichkeit vermitteln. Dieser literarische Brückenbau ist ein Ziel unseres Preises – ein Sich-näher-Kommen durch Sprache. Auf dieses Bemühen bin ich zufällig vergangene Woche gestoßen in einem »Büchlein um spielend französisch zu lernen«, gedruckt 1910 in Straßburg: »Je sais le français – pour cela je suis gai!«. »Die Kenntnis fremder Sprachen«, heißt es darin, »ist gewiß eine der besten Gaben, die man seinen Kindern auf ihrem Gang durch das Leben mitzugeben vermag« – man könnte sagen: ein 100 Jahre alter Vorläufer der saarländischen Frankreich-Strategie.

Intensiv haben wir in der Jury über die literarischen Qualitäten diskutiert, und es muss (auch im Namen der französischen Jury) festgehalten werden: Bereits die Nominierung ist eine Auszeichnung. Aber nur einer kann’s werden: Den Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis 2017 erhält der Jugendroman »Zwei Tage, zwei Nächte und die Wahrheit über Seifenblasen«.

Die Hauptfiguren, die Angela Mohr in einem Zug ab Mannheim aufeinandertreffen lässt, könnten unterschiedlicher nicht sein: der 16-jährige Dauerquassler Nik, der Sätze schneller ausspuckt als er denken kann, und die 18-jährige Aino, die schweigt und für Notfälle einen Schreibblock bereit hält. Er versucht, üblen Typen zu entkommen, sie steuert ein Kloster an. Zwei absolute Gegensätze, wie der Leser bald bemerkt, denn abwechselt erzählt die Autorin aus der Perspektive des Jungen und des Mädchens in jeweils eigenen Sprachmelodien. Als der Zug bei einem Gewitter nicht mehr weiterfährt, werden sie zu äußerst unfreiwilligen Schicksalsgefährten, die nur eines gemeinsam haben: Beide sind auf der Flucht, nicht zuletzt vor sich selbst.

48 Stunden nur umfasst der Zeitraum des Romans, aber die nutzt Angela Mohr trickreich und wirft den Leser in ein Wechselbad der Gefühle. Noch während wir uns wünschen, dass Aino doch bitte endlich ein Wort spricht und der Dampfplauderer nicht schon wieder ins nächste Fettnäpfchen tritt, beginnen wir unversehens die Sichtweisen der jeweiligen Figur einzunehmen – und zu verstehen. In 48 Stunden, so der Pakt, den Aino zunächst widerwillig eingeht, will Nik ihr zeigen, was sie alles verpasst, wenn sie sich für immer ins Schweigekloster zurückzieht.

Ein Roadmovie? Ja und Nein. Es wird eine Reise zu sich selbst, in der sich jeder in kleinen Schritten seiner Furcht stellt. Das verlangt Mut. Sich voreinander zu öffnen, verlangt noch mehr Mut. Hier kämpfen zwei permanent um ihre Verwundbarkeit, ringen darum, nicht verletzt zu werden – ein Kammerspiel vor der Folie des Odenwalds, auch mit Verfolgungsjagden, Thrillereinschüben und komischen Szenen.

Sobald wir aber erfahren, dass Ainos Entscheidung mit ihrem Stottern zu tun hat, eröffnet sich uns eine neue Welt: Wir werden sensibilisiert. Wir erfahren, wie statt Dauerrauschen genaues Hinhören funktioniert, lernen mit Nik den wohltuenden Wert des Schweigens kennen. Müssen wir ständig auf stand-by sein? Müssen wir gar nicht. Wir lauschen den Tönen dieser Welt, wir lernen auch, unseren Blick zu schärfen. Für Aino [Zitat] »liegen Worte am anderen Ende des Flusses, kein Boot weit und breit« und schwimmen kann sie schon lange nicht mehr: Sie bräuchte Boote und Schwimmreifen. Oder Steigeisen und Seile, um die Wörterberge zu erklimmen. Als sie von diesem Ohnmachtsgefühl erzählt, bekommt Nik nicht nur große Augen, sondern selbst eine wacklige »Götterspeisen-Stimme«, versteht ihre Angst vor Fragen, weil es ihr nicht möglich ist zu antworten.

Unmerklich verändert Angela Mohr im Lauf des Romans die Sprache, rhythmisiert immer mehr die Wörter und Sätze, baut gezielt einzelne Zeilen, lässt die Kapitel immer kürzer werden und wir merken: Wir brauchen keine Unmenge an Sätzen. Aber die Qualität der Sätze muss stimmen. Ich will mich hüten, diesen wundervollen Roman weiter analytisch zu sezieren, denn damit nähme ich ihm die Poesie, die auch die Juroren gefangengenommen hat. Er hat dramatische wie witzige Passagen, und auch solche: [Zitat] »Als sie mit ihrer Zungenspitze gegen meine tippt, fährt ein Güterzug mit 200 Stundenkilometern durch meine Adern. Mit ebenso vielen Waggons. Mindestens.« – Kann man einen Kuss schöner beschreiben?

Ebenso hat der Roman Stellen, an denen dem Leser das Herz stockt – etwa als er den Grund von Ainos Rückzug aus dieser Welt erfährt: Vor Aufregung und Stottern ist es ihr nicht gelungen, in mehreren Telefonaten einen Rettungswagen rechtzeitig zur Unfallstelle zu holen – die Leitstelle dachte, die Leitung sei gestört.

Ein großartiger Roman also, dessen Erscheinen auch einem Verlegertypus wie Albrecht Oldenbourg zu verdanken ist, der noch die Tugend der Mischkalkulation beherrscht und sie zugunsten solcher Meisterstücke auszulegen weiß. Wir wünschen diesem Roman jedenfalls schnellstmöglich einen solchen Verleger in Frankreich. Und was es mit den Seifenblasen auf sich hat, verrate ich hier nicht. Ich wäre gemein, wenn ich Sie um den Lesegenuss des Entdeckens bringen würde.

Le jury 2017

Nicola BARDOLA | München

Gilles BUSCOT | Strasbourg

Géraldine ELSCHNER | Heidelberg

Isabelle ENDERLEIN | Berlin

Germaine GOETZINGER | Luxemburg

Alfred GULDEN | Saarlouis, München

Dr. Stefan HAUCK | Frankfurt

Charlotte LARAT | Strasbourg

Mathilde LÉVÊQUE | Paris

Alexandra RAK | Frankfurt

 

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Muriel Zürcher

Robin des graffs

Editions Thierry Magnier | à partir de 13 ans

 

muriel zuercher 2017

M Zuercher RobindesGraffs

« Paris, le jour, Paris la nuit…

Une bombe de peinture dans son sac, Sam en sillone les rues, grimpeur clandestin qui laisse sur les murs sa griffe unique : des graffs d’animaux, tout droit sortis de l’arche de Noé. La journée, il joue aux échecs avec une vieille dame et chante aux enterrements des SDF morts dans la rue. De la corde raide entre ciel et terre... Mais le jour où „Bonny“ vient ancrer sa petite main blanche dans la grande main noire de Sam, tout bascule. Car à cinq ans, elle vient de fuguer de son foyer et décide que Sam sera sa nouvelle famille. Leur épopée entre tags de nuit et traques de jour est un véritable régal qui nous tient en haleine : attachants, ce Robin chassé trop tôt des bois de l’enfance et cette petite pirate rebelle nous font revisiter la ville, la vraie, du plus haut des toits au plus profond des tunnels du métro. Les destins s’y croisent, inattendus, nuancés, drôles et tendres, loin des préjugés et des lignes droites. Une balade très particulière dans Paris, pleine d’humour et d’humanité, qui changera à coup sûr notre regard sur tous les graffs du monde. »

Laudatio | Charlotte Larat

Si je vous racontais toutes les histoires jusqu’à leur fin, toutes les histoires qui se trouvent dans le livre que le jury français a choisi, vous allez croire que je parle de plusieurs livres à la fois et que j’ai dû confondre quelque chose.

N’ayez pas peur, je vous tenderais seulement quelques fils colorés que l’auteure a choisi pour tisser la trame de son texte, ce roman aujourd’hui recompensé par le prix francoallemand pour la littérature de jeunesse:

Il s’agit du livre ROBIN DES GRAFFS de Muriel Zürcher
publié par les éditions Thierry Magnier à Paris
dans une collection animée par Soazig Le Bail,
assistée de Charline Vanderpoorte

Un de ces fils vous amènerait dans une chambre à Paris:

Imaginez que vous vous réveillez très tôt un beau matin à Paris et que vous entendez le bruit des camions poubelles: le son des couvercles qui claquent et le bruit strident du renversement des bacs. Vous vous levez et vous voyez les lucarnes éclairées des salles d’eau, les lampes de chevet allumées derrière les rideaux. Vous entendez le vacarme des machines à café et puis vous sentez l’odeur du café moulu. Vous quittez votre chambre, vous montez les escaliers jusqu’au septième étage, vous entrez dans une petite chambre de bonne qui sent les effluves de diluant des bombes de peintures. Maintenant, vous quittez la pièce par la fenêtre et vous vous trouvez sur les toits de Paris. À coté de Sam et de son nouveau graffiti : un couple de tigres, aux muscles ramassés.

Je cite:
Sam savourait ce moment où la ville lui appartenait.
Il destinait ses graffs à Gabrielle, mais le temps qu’il leur consacraitt formait une parenthèse de vie dans laquelle il se sentait bien. Sur un toit à une vingtaine de mètres du sol, sans autre sécurité que sa capacité à conserver son équilibre pour éviter la chute, Sam avait le sentiment de maitriser sa vie.

Cela, ce serait l’histoire de Sam:
Comme nous le décrit le narrateur:
Il émanait de lui une douleur mêlée d’une énergie vitale qui le rend différent. Sam culpabilise à cause de la mort de ses parents et de la mort de Gabrielle, „sa grande copine du foyer d’enfants“.
Le livre de l’arche de Noé lui appartenait. C’était elle qui lui racontait des histoires quand Sam est arrivé au foyer à l’âge de six ans après la mort de ses parents. Déjà à l’époque, ce livre n’était pas qu’un livre, pour lui c’était un moyen de vivre.

Depuis, Sam a des idées noires:
Je cite de nouveau:
C’était à son tour de mourir, désormais, dans un juste châtiment pour avoir laissé ses parents et Gabrielle perdre leur vie. Une punition pour avoir gardé trop longtemps Lilibelle á ses côtés.

Mourir avant d’avoir eu fini de vivre, telle est sa plus grande peur.

Il survit uniquement grâce aux graffitis qu’il réalise: Il tague les animaux en couple qui illustrent l’album de l’arche de Noé. Eux au moins – et avant tout les perroquets inséparables – sont tous en sécurité.
Lilibelle lui a demandé une fois : “Qu’est-ce qu’ils font tous ces animaux?“
Et Sam de répondre : „Ils ne coulent pas.“

Ses graffs aposés sur les centres du pouvoir dans la capitale sont gigantesques. Sam est devenu le héros des réseaux sociaux qui en parlent en boucle. La police cherchera longtemps avant de trouver sa trace.

La police – cela serait une autre histoire, celle du capitaine Nora Laval – une femme au début renfermée comme les serrures que son compagnon Benjamin prend en photo. Nora avec toute la machine policière lancée sur les traces du jeune graffeur sera confrontée aux retrouvailles avec son père Hector, qui justement en tant qu’avocat prendra un peu plus tard la défense de Sam.

L’histoire de Lilibelle serait quant à elle celle d’une gamine de 6 ans en fuite du foyerd’enfants et qui s’attache à Sam, car elle est à la recherche d’une nouvelle famille :

T’as qu’à m’amener à ta maison. Et t’as qu’à m’appeler Bonny, cause que Anne Bonny, c’était une pirate, une vraie, même au foyer, y a un gros livre qui raconte son histoire, et que moi je lui ressemble, cause que je suis une rebelle.

Ainsi parle Lilibelle.

Pendant que Sam part pour réaliser de nouveaux graffs, Lilibelle reste chez Christiane, une SDF agée qui a tout vu et qui appartient à la chorale „Les copains d’abord“. Quand Sam lui parle de l’accident de voiture qui a tué ses parents, elle lui dit:
Les accidents, c’est la faute à personne. C’est la faute à pas de chance.

Et à un autre passage dans le livre, Christiane déclare:
Aimer, c’est risquer de souffrir. Mais vivre, c’est quoi?
Tu peux me le dire? C’est rester terré tout seul dans un apart avec boulot-pizza-dodo au menu en attendant que ça passe? Pour ne surtout jamais blesser personne. Pour ne jamais souffrir de perdre quelqu’un. C’est ça que tu veux?

L’histoire se déroule à plusieurs niveaux et nous fait progresser de bas en haut : des fuites sous-terraines de Lilibelle dans le métro, en passant par la vie des sans-domicile-fixe dans la rue, par Madame Decastel, la bourgeoise du troisième étage et par les chambres de bonne aux septième, enfin jusqu’aux toits de Paris et même jusqu’aux étoiles – qui finalement serviront de miroir pour Sam : Il tague ses graffs selon une carte du ciel superposée au plan de Paris.

À la fin, il trouvera même sa place au Panthéon, en s’intégrant dans un groupe des réparateurs clandestins du patrimoine. Mais voilà qui suffit, je ne vais pas vous livrer plus de fils encore pour vous encourager à lire le livre!

ROBIN DES GRAFFS de Muriel Zürcher est une escalade sur les toits de Paris et en même temps une leçon en compassion. Le monde est petit et nous sommes tous liés les uns aux autres. Sam pourra garder son équilibre pour toujours dès qu’il racontera sa propre histoire par l’intermédiaire des ses graffs. Il imagine, je cite
Une fresque qui prendrait aux tripes, un dessin qui créerait un écho ...

Le jury a trouvé que les personnages de cette histoire, leur monde, leur façon de parler, étaient extrêmement bien dépeints. Il y a dans tout cela des belles sagesses de vie, du suspense et des vraies surprises. Pour tous ceux qui sont à la recherche de leur propre monde dans une société déjà construite, ils pourront se balader ici dans un mirroir lumineux. Au nom du jury français, j’adresse mes félicitations les plus chaleureuses à l’auteure Muriel Zürcher!

Le jury 2017

Nicola BARDOLA | München

Gilles BUSCOT | Strasbourg

Géraldine ELSCHNER | Heidelberg

Isabelle ENDERLEIN | Berlin

Germaine GOETZINGER | Luxemburg

Alfred GULDEN | Saarlouis, München

Dr. Stefan HAUCK | Frankfurt

Charlotte LARAT | Strasbourg

Mathilde LÉVÊQUE | Paris

Alexandra RAK | Frankfurt

 

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